„Wir sind halt alle individuell, und darauf muss man erst mal eingehen können“ – Neuer Artikel zu Inklusion in der Hochschule

Das jüngst erschienene Heft der Zeitschrift für Inklusion hat das Thema „Inklusive Hochschuldidaktik und -entwicklung.“ Darin ist auch mein Beitrag „Ressourcen und Barrieren für Inklusion an Hochschulen Eine qualitative Untersuchung zu Sichtweisen von Studierenden und Lehrenden an deutschen Hochschulen“ enthalten. Der Beitrag stellt Ergebnisse einer empirischen Studie vor, in der Einstellungen Studierender und Lehrender zu Inklusion an Hochschulen und damit verbundene Erwartungen an Hochschulen untersucht werden. Die Zusammensetzung der Gruppe der befragten Studierenden erfolgte dabei mit Blick auf sozio-demographische Merkmale gezielt heterogen, so dass jüngere und ältere Studierende, berufserfahrene und -unerfahrene Studierende, Abiturient*innen und Quereinsteiger*innen usw. in die Erhebung einbezogen wurden. Die Lehrenden kamen aus unterschiedlichen Disziplinen und von verschiedenen Hochschulen. Dem explorativen Charakter der Untersuchung entspricht der qualitative Zugang (Gruppendiskussionen), mit dessen Hilfe Haltungen differenziert erfasst werden konnten.

Insgesamt zeigen die Befragten eine sehr differenzierte Haltung gegenüber Inklusion; sie sehen sowohl Chancen als auch Probleme – die Meinungen waren ausgesprochen vielschichtig. Die Analyse in meinem Artikel geht deshalb der Frage nach, welche Ressourcen und Barrieren Studierende und Lehrende wahrnehmen und zukünftig vermuten. Diese lassen sich jeweils (in Anlehnung an den Index für Inklusion) auf den Ebenen Kultur, Struktur und Praxis ansiedeln. Damit wird das Thema Inklusion an Hochschulen gleichsam strukturiert. Am Ende stehen – wie könnte es bei einer explorativen Untersuchung anders sein – vor allem Fragen. Als ein Knackpunkt erweist sich die für viele der Befragten mit Inklusion verbundene stärkere Individualisierung: So stellt sich die Frage, wie eine individuelle Vergleichsnorm mit dem Anspruch an Vergleichbarkeit der Abschlussnote in Einklang zu bringen ist. Oder wie unterschiedliche Wissensarten (insbesondere Theorie- und Praxiswissen) miteinander in Beziehung gesetzt werden können. Und nicht zuletzt wie Lehrende die mit der Individualisierung einhergehende Mehrbelastung bewältigen sollen.

Inklusion an Hochschulen jedenfalls entwickelt sich zu einem (kleinen!) Trendthema: Im September widmet sich eine Tagung an der Universität Leipzig dem Gegenstand Als Keynote-Speaker wurden Kerstin Merz-Atalik und Tony Booth gewonnen.