Von Innovationen, Kontinuitäten und Heldinnen: 20 Jahre Schreiblabor

Was, schon 20 Jahre? Ja, genau, das Schreiblabor an der Uni Bielefeld gibt es schon so lange! Zur Geburtstagsfeier veranstaltet das Schreiblabor derzeit eine Jubiläumstagung mit deutschen und internationalen Referenten. Titel: „Schreiben in den Fächern – Chancen für ein vertieftes Studium.“

In ihrem Eröffnungsbeitrag zur Tagung schilderte Schreibdidaktikerin Swantje Lahm die Entwicklung des Schreiblabors als eine „Heldengeschichte“ in fünf Schritten.

Tatsächlich kann das Schreiblabor stolz sein auf den Weg, den es in den vergangenen 20 Jahren zurückgelegt hat. So nahm alles seinen Anfang mit einer Reise von Andrea Frank, heute Leiterin des Bereichs SL_K5 der Uni Bielefeld, in die USA (Swantje Lahm: „Ruf des Abenteuers“), auf der sie die Unterstützung beeindruckte, die us-amerikanische Hochschulen ihren Studierenden für das „academic writing“ boten. Diese globale Perspektive ist dem Schreiblabor bis heute erhalten geblieben, immer wieder wird geschaut, was andernorts geschieht, welche Konzepte adaptierbar sind oder wo neue Ansätze wachsen.

Damit in engem Zusammenhang steht die hohe Innovationsbereitschaft im Team des Schreiblabors. Längst besteht die Arbeit nicht mehr „nur“ in der Durchführung von Workshops, sondern es ist ein differenziertes Geflecht aus Angeboten zum Schreiben an der Hochschule entstanden, dass sich an Studierende, erfahrene und frische Lehrende sowie an Forschende wendet. Es umfasst direkte Beratung, Workshops, Multiplikatorenschulungen, Fortbildungen …. Diese Bereitschaft zur Anpassung, zur Veränderung und zur Weiter-/Entwicklung wird auch in Swantje Lahms Beitrag immer wieder deutlich („Der Weg der Prüfungen“), etwa mit Blick auf den Bolognaprozess, der die Kompetenzorientierung in den Mittelpunkt des Lehrens und Lernens an Hochschulen stellt.

Swantje_Jubiläumstagung

Dass aus einem befristeten 2-halbe-Stellen-Projekt Anfang der 90er Jahre eine feste Institution mit festen Mitarbeiterinnen an der Uni Bielefeld und innerhalb der „Schreibdidaktik-Szene“ Deutschlands werden konnte, liegt aber auch an der hohen personellen Kontinuität. Initiatorin Andrea Frank ist noch immer mit dem Schreiblabor eng verbunden, Stefanie Haacke ist seit nunmehr 15 Jahren (habe ich richtig gerechnet, Stefanie?) am und für das Schreiblabor tätig, Swantje Lahm kam nur wenige Jahre später. Gerade für meist in der Perspektive recht wacklige Hochschulprojekte ist das eine ungewöhnliche Konstellation. Es ist sicher nicht übertrieben, daraus den Schluss zu ziehen, dass Hochschulen klugen und engagierten Menschen eben auch Perspektiven bieten müssen, wenn aus einem Projekt ein Aushängeschild werden soll.

Internationale Orientierung, Innovationsgeist, Veränderungsbereitschaft und Kontinuität sind nur einige Punkte, die das Schreiblabor und seinen Erfolg charakterisieren. Swantje Lahms „Heldengeschichte“ ebenso wie Andrea Franks Begrüßungsworte machen aber noch einen anderen Faktor deutlich, der im Wissenschaftssystem oft viel zu kurz kommt: Das Augenzwinkern und die Fähigkeit und Bereitschaft zu der ein oder anderen selbstironischen Bemerkung.