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Von der richtigen und von der falschen Computernutzung

Thematisierung von Computern in Bilderbüchern für Kinder bis 8

  • Nur wenige Bilderbücher befassen sich mit dem Computer
  • Inhaltlicher Schwerpunkt: Nutzungsverhalten
  • Hauptbotschaft: Verbringe nicht zu viel Zeit vor dem Computer
  • Viel pädagogischer Zeigefinger, wenig Anregung und Ermutigung

Was sollten Kinder über Computer wissenAntworten auf diese Frage geben auch Auskunft darüber, wie wir als Erwachsene, als Gesellschaft Computer und die damit verbundenen Technologien sehen und was uns daran wichtig ist. Umso spannender ist es deshalb, sich Bilderbücher zum Thema Computer anzuschauen. Also habe ich mich auf die Suche nach Bilderbüchern gemacht, wobei mich insbesondere Bücher für jüngere Kinder interessieren, also für Kinder zwischen 3 und 8 Jahren. Bei dieser Suche bin ich auf insgesamt neun Bücher gestoßen – trotz systematischer und intensiver Recherche war dies die gesamte Ausbeute für den deutschen Sprachraum. Angesichts der großen Bedeutung des Computers im heutigen Alltag mag diese überschaubare Zahl überraschen. Zumal der Zeitraum des Erscheinens 15 Jahre umfasst: Das älteste Buch stammt aus dem Jahr 1998, das neueste von 2013. Fünf der neun Bücher habe ich antiquarisch erworben, da sie nicht mehr in den aktuellen Verlagsprogrammen vertrieben werden. Die folgende Auswertung basiert also (wenngleich das etwas vollmundig klingen mag) auf einer Gesamterhebung.

Inhaltlich lassen sich zwei Schwerpunkte identifizieren: Erstens Bücher, die das Nutzungsverhalten thematisieren und zweitens Bücher, die Kindern die Funktionsweise des Computers sowie von Software und Internet erklären.

Computerbilderbücher

Sechs Bücher, also zwei Drittel, gehören zur ersten Gruppe und setzt sich ausschließlich mit dem Nutzungsverhalten auseinander. Deutlich erkennbares Ziel ist es, die Nutzungsdauer zu begrenzen. Damit verbunden wird ein stark normatives Bild von guter Kindheit, in der Kinder mit anderen Kindern an der frischen Luft spielen. Dabei wird leider an Klischees nicht gespart, so dass zum Teil auch diskriminierende Aussagen anzutreffen sind, so sagt der Vater im Buch „Mein erstes Buch vom Computer“: „Von dicken Kindern, die zu viel vorm Computer sitzen, muss ich euch ja hoffentlich nichts erzählen!…Gesunde Kinder treiben auch mal Sport und toben draußen herum!“. Sicher ist es auch kein Zufall, dass beispielsweise das Buch „Der TV-Gucki oder über den richtigen Umgang mit Fernsehen und Computerspielen“ in einer Reihe erschienen ist, in der es vom selben Autorinnenduo ein Buch zum Abgewöhnen des Schnullers und eins zum Thema Daumenlutschen gibt.

Auch für die Eltern wird in den Bilderbüchern mit Schwerpunkt Nutzungsverhalten ein genaues Modell medienerzieherischen Verhaltens gezeichnet: Sie setzen klare Grenzen, stellen gemeinsam Regeln auf und machen attraktive Alternativangebote. Teilweise entsteht der Eindruck, die Bilderbücher richteten sich mindestens so stark an die die Bilderbücher vorlesenden Erwachsenen („Mit wertvollen Elterntipps“) wie an die Kinder.

Nur drei Bücher gehören zur zweiten Gruppe und versuchen, die Funktionsweise des Computers und des Internets zu erklären. Zwei davon („Mein Computer“ aus der „Wieso? Weshalb? Warum?“-Reihe „Computer“ aus der „Benny-Blu“-Reihe) und sind als reich bebilderte Sachbücher konzipiert, die mit kurzen Textblöcken verschiedene Bestandteile erläutern. Das Buch über „Luises Reise in den Computer“ hingegen erzählt eine fiktionale Geschichte als Rahmen für die Funktionsweise des Computers.

Auffällig ist, dass die meisten Bücher sich darum bemühen, gleichermaßen Jungen und Mädchen bei der Mediennutzung zu zeigen. So werden beide Geschlechter als Betroffene und Adressaten sichtbar. Lediglich im Buch „Der TV Gucki“ ist Bruder Philipp derjenige, der nicht von Computer und Fernsehen lassen kann, während seine Schwester ihn davon abzubringen sucht. Im Reihentitel „Computer. Vom Abakus zum Internet“ steht die Reihenfigur „Benny Blu“ als Protagonist im Vordergrund, aber er begegnet im weiteren Verlauf auch Computernutzerinnen.

Computer (und Fernsehen, wenn dessen Nutzung ebenfalls thematisiert wird) werden in den gesichteten Bilderbüchern als etwas dargestellt, das es zu begrenzen gilt, etwas das nur in Maßen genossen werden sollte. Bilderbücher geben damit die Botschaft wieder, die auch in Befragungen immer wieder zum Ausdruck kommt – dass Computer für Kinder eher eine Gefahr als eine Chance sind (mehr dazu im Blogbeitrag über die miniKIM-Studie). Dominiert diese Botschaft, kommt aber der qualitative Aspekt der Computernutzung zu kurz: Es ist nicht egal, was Kinder am Computer machen! Vielmehr geht es auch darum, den Computer als wertvolle Quelle für Bildung und gesellschaftliche Teilhabe sichtbar zu machen. Dieser Punkt wird am ehesten im Buch „Ich will auch an den Computer“ gestreift, wo verschiedene Nutzungsweisen in ihrer Vielfalt dargestellt werden und beispielsweise das gemeinsame Spiel eine Rolle spielt ebenso wie die Nutzung als Informationsquelle. Wünschenswert wäre darüber hinaus sicher auch ein eher ermutigender, stärkender Zugang anstelle des teilweise doch recht moralisierenden Habitus, der sich durch viele der analysierten Bilderbücher zieht.

Die Bücher

In chronologischer Reihenfolge ihres Erscheinens

612GHANABHL._SY473_BO1,204,203,200_Maria Schulte und Steffi Mentzel (Text)/Christian Mentzel (Illustration)/ Michael A. Denck (Idee). 1998. Luises Reise durch den Computer. Taormina Verlag.

Es wird die fantastische Geschichte eines kleinen Mädchens erzählt, das in den Computer des Vaters hineinkrabbelt und dort das Computer-Bit Benny kennenlernt. Das bunt gestaltete Buch konzentriert sich auf die Informationsverarbeitung des Rechners anhand des Beispiels eines Bildes, das schließlich im Drucker landet.

51ann84kB8LAndreas Wilhelm (Text)/Wolfgang Metzger (Illustration). 2002. Mein Computer. Reihe „Wieso? Weshalb? Warum?“. Ravensburger.

Erklärung der Bestandteile des Computers, der Bedienungswege und seiner Geschichte. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Internet und der Nutzung von E-Mails. Viele detaillierte Illustrationen veranschaulichen die Texte, Klappeffekte ermöglichen zusätzliche Entdeckungen.

 

31EPali9KyLBarbaba Spathelf (Text)/Susanne Szesny (Illustration). 2005. Der TV-Gucki oder über den richtigen Umgang mit Fernsehen und Computerspielen. Albarello Verlag.

Das Bilderbuch erzählt die Geschichte eines kleinen Jungen Philipp. Die erste Hälfte des Buches ist der Schilderung der Mediennutzung von Philipp gewidmet: Bei schönstem Sonnenschein sieht er lieber fernsehen oder spielt am Computer, anstatt draußen Fußball zu spielen. So kommt er nicht einmal nachts zur Ruhe. Doch die Mutter führt eine Computer- und Fernsehregel ein („nur noch eine halbe Stunde pro Tag“) und alles wird gut: Philipp spielt wieder richtig Fußball.

51vhf5jX7hLNorbert Golluch (Text)/Dorothea Tust (Illustration). 2007. Mein erstes Buch vom Computer. Annette Betz Verlag.

Hier werden am Beispiel einer Familie, die einen Computer anschafft, die verschiedenen Facetten des Themas beleuchtet. Dazu gehören natürlich auch Hinweise zum angemessenen Umgang mit dem Computer, im Vordergrund stehen aber Fragen der Technik und der Nutzungsmöglichkeiten des Computers.

 

 

610svbBMfrLAstrid Hille und Dina Schäfer (Text)/Barbara Stachuletz (Illustration). 2008. Voll geblickt! TV, Computer, Comic und so. Velber Verlag.

Das Buch thematisiert unterschiedliche Medienangebote: Dabei geht es nicht nur um Computer und Fernsehen, sondern auch um Comics, Hörmedien und „Nintendo.“ Erzählt werden jeweils kurze fiktionale Geschichten mit teils fantastischen Inhalten, aber auch mit Elementen aus der Lebens- und Erfahrungswelt von Kindern.

 

81EiwizY6HL._SL1500_Susanne Hansch (Text)/Angelika Grothues (Illustration). 2008. Computer. Vom Abakus zum Internet. Reihe „Benny Blu“. Kinderleicht Wissen Verlag.

Ausgehend von dem Chat mit einem Mädchen in Australien werden verschiedene Anwendungsbereiche für Computertechnologie geschildert. Fotorealistische Zeichnungen illustrieren das Büchlein. Kleine Rätselspiele bieten zusätzliche Impulse.

 

 

51TtqeSeBLLBarbara Rosse (Text)/Susanne Göhlich (Illustration). 2010. Tim, Marie und der Computerdrache. Kerle Verlag.

Das Buch erzählt die Geschichte von zwei Kindern, die ein aufregendes Computerspiel spielen. Geschildert wird, wie die beiden dazu kommen, das Spiel zu spielen, welche Regeln von den Erwachsenen aufgestellt werden und wie die Kinder diese ein bisschen übertreten – und schließlich doch noch auf den „Bolzplatz“ gehen.

 

 

510ROW1k39LChristine Jüngling (Text)/Manfred Tophoven (Illustration). 2011. Nur noch fünf Minuten. Spielen statt fernsehen. Annette Betz Verlag.

Dieses Buch erzählt die Geschichte eines Geschwisterpaares: Zu Beginn des Buches schimpfen die Eltern: „Ihr hockt schon seit Stunden vor dem Fernseher und dem Computer.“ Im Laufe der Erzählung zeigt sich, dass auch die Eltern gerne von Fernsehen und Computer Gebrauch machen. Deshalb entwickelt die Familie gemeinsam Computer- und Fernsehregeln und am Ende wollen die Kinder lieber ins Erlebnisbad und einen Ausflug zu einer Ritterburg machen.

 

513DfG6eL1LMercè Seix und Meritxell Noguera (Text)/Rocio Bonilla (Illustration). 2013. Ich will auch an den Computer. Neuer Favorit Verlag.

Hier sind es vier Geschwister unterschiedlichen Alters, deren Alltag schlaglichtartig beleuchtet wird. Medien aller Art kommen hier selbstverständlich vor und werden auf verschiedenste Weise integriert. Die medienfreie Umgebung bei den Großeltern führt die medienbegeisterten Kinder dann aber (nach anfänglichem Gemurre) zurück zum traditionellen Spiel im Garten.

Du kennst noch andere Bilderbücher zum Thema für Kinder bis 8? Oder kennst Bilderbücher aus anderen Ländern über Computer? Teile dies gerne in den Kommentaren oder auf Twitter (@HelenKnauf)!