Practice what you preach: Inklusionsforschung und Hochschule

Die diesjährige Tagung der Inklusionsforscher/-innen fand Ende Februar an der Uni im schönen Leipzig statt.  Im Mittelpunkt stand das Thema „Diversity im  Spiegel von Bildung und Didaktik“.  In den Arbeitsgruppen wurden die verschiedenen Ebenen und Bereiche des Bildungssystems – angefangen bei der „Frühen Bildung“ – beleuchtet. Ich hatte mich für die von Carmen Dorrance und Clemens Dannenbecker geleitete Arbeitsgruppe „Hochschulentwicklung/Hochschuldidaktik“ entschieden und dort auch selbst einen Beitrag eingebracht. Der Schwerpunkt der Beiträge in dieser AG lag auf der Veränderung der Lehrerausbildung. Dadurch stand die Frage im Mittelpunkt, wie Studierende als spätere Lehrkräfte an Schulen die Prinzipien der Inklusion umsetzen können. Damit ging es indirekt eben auch darum, wie Schulen inklusiv(-er) werden können.

Uni Leipzig
Uni Leipzig

Der Beitrag von Jacqueline Erk und mir fiel da eher aus dem Rahmen: Wir befassen uns damit, ob Inklusion an der Hochschule selbst als Prinzip sinnvoll umgesetzt werden kann und soll. Wir haben dabei – dem Index für Inklusion folgend – skizziert, was inklusive Kulturen, Strukturen und Praxis für Hochschulen bedeuten. Darauf aufbauend haben wir die Frage aufgeworfen, welche Barrieren einer solchen Umsetzung an Hochschulen entgegen stehen. Diese Barrieren bestehen nicht nur in Haltungen und Beharrungsvermögen, sondern auch in grundlegenden Dilemmata, die nicht so leicht aus dem Weg zu räumen sind: Etwa der Anspruch auf Exzellenz und Elitenförderung im Gegensatz zur „Hochschule für alle“.

Mir ist in der Arbeitsgruppe noch einmal sehr deutlich geworden, welch radikales Potenzial im Prinzip der Inklusion als gesellschaftliches Leitbild steckt – ob wir dies nun begrüßen oder nicht. Wenn sich die Frage „Wollen wir das überhaupt?“ wirklich nicht stellt, wie Anke Langner als Feedback zu unserem Beitrag sagte, dann hat das aber auch weitreichende Folgen für unser eigenes Handeln als HochschullehrInnen und ForscherInnen. Andere, also Studierende, für die inklusive Arbeit in Schule und Kindertageseinrichtungen zu qualifizieren ist die eine Sache. Sich mit Inklusion in Bezug  auf die eigene Institution, also die Hochschule, auseinanderzusetzen ist eine andere. Inspiriert vom Songtitel Practice what you preach kann man hier durchaus die Frage stellen, ob Studierende für eine reflektierte Umsetzung von Inklusion nicht auch eigene Erfahrung in inklusiven Kontexten, z.B. im Studium, gemacht haben sollten. Dies eröffnet noch einmal eine neue und differenzierte Sicht auf mit dem Konzept verbundene Probleme und Chancen.