Berufsorientierung – ein lebensbegleitender Prozess

Eine Interviewanfrage zu Fragen der Berufsorientierung hat mich nach einiger Zeit der Abstinenz mal wieder mit dem Thema in Berührung gebracht. Besonders reizvoll daran, das ist mir bei der Vorbereitung wieder einmal bewusst geworden, ist die Vielschichtigkeit des Themas, denn es steckt voller Antinomien:

Einerseits gibt es heute eine extrem große Auswahl an Berufen und (Aus-) Bildungswegen, womit eine große Freiheit verbunden ist, die es ermöglicht, sehr individuelle und auf die persönlichen Bedürfnisse zugeschnittene Wege zu gehen. Andererseits verunsichert gerade diese Vielfalt auch, denn die vielen Wahlmöglichkeiten stellen letztlich eine Überforderung dar. Schließlich kann niemand alle Optionen bedenken und dann auch noch bewerten und wer weiß, ob es nicht noch etwas besseres gegeben hätte?

Einerseits halten sich viele Menschen möglichst lange im Leben möglichst viele Optionen offen, sie fahren mehrgleisig, um falls sich Umstände, Chancen, Interessen ändern auch noch einen „Plan B“ in der Tasche zu haben – in der Berufswahlforschung nennt man das Optionenwahl. Andererseits gibt es in vielen Bereichen der Arbeitswelt die Vorstellung, je jünger und je mehr, desto besser. Dies lässt sich nur mit frühzeitigen und eindeutigen Berufsentscheidungen realisieren.

Einerseits beobachten wir den Trend, eine sehr strategische Berufsplanung vorzunehmen und alle Schritte in der Berufsbiographie genau „durchzustylen.“ Andererseits gibt es zunehmend auch ungewöhnliche Lebensläufe mit starken Brüchen, radikalen Neuorientierungen und Phasen der Nicht-Erwerbstätigkeit.

Dies sind nur drei der Trend-Gegentrendentwicklungen, die sich im Feld der Berufsorientierung auftun – spannend, nicht wahr?

Das Interview finden Sie hier.